Immobilienbewertung: Welche Methoden gibt es – und welche sind sinnvoll?

Immobilienbewertung: Welche Methoden gibt es – und welche sind sinnvoll?

Ein praxisnaher Überblick für Immobilienmakler

Kaum ein Thema ist für Immobilienmakler so entscheidend – und gleichzeitig so sensibel – wie die Immobilienbewertung.

Der richtige Preis:

  • entscheidet über die Vermarktungsdauer

  • beeinflusst die Abschlussquote

  • bestimmt das Vertrauen des Eigentümers

  • wirkt direkt auf Deine Reputation als Makler

Und trotzdem erleben viele Makler:

  • Wunschpreise

  • Unsicherheit

  • Diskussionen

  • „Der andere Makler sieht das aber anders“

In diesem Artikel bekommst Du:

  • einen verständlichen Überblick über die gängigen Bewertungsmethoden

  • eine klare Einordnung, wann welche Methode sinnvoll ist

  • und eine ehrliche Antwort auf die Frage, warum der „richtige Preis“ nie nur eine Formel ist

Wichtiger Hinweis:
Dieser Blog dient ausschließlich der allgemeinen Information und dem Erfahrungsaustausch. Er stellt keine Rechtsberatung, keine Steuerberatung und keine amtliche Wertermittlung dar.


1. Warum Immobilienbewertung mehr ist als eine Zahl

Viele Eigentümer erwarten:
👉 „Sagen Sie mir einfach, was meine Immobilie wert ist.“

Doch eine Immobilienbewertung ist:

  • keine exakte Wissenschaft

  • kein Taschenrechner-Ergebnis

  • keine Garantie für einen Verkaufspreis

👉 Sie ist eine Markteinschätzung auf Basis von Daten, Erfahrung und aktueller Nachfrage.


2. Die drei klassischen Wertermittlungsverfahren

In Deutschland unterscheidet man grundsätzlich drei anerkannte Bewertungsverfahren:

  1. Vergleichswertverfahren

  2. Sachwertverfahren

  3. Ertragswertverfahren

👉 Jedes hat seine Berechtigung –
aber nicht jedes passt zu jeder Immobilie.


3. Vergleichswertverfahren – das wichtigste für den Makleralltag

Wie funktioniert es?

  • Vergleich mit ähnlichen Immobilien

  • gleiche Lage

  • ähnliche Größe, Zustand, Baujahr

  • kürzlich verkauft oder angeboten

👉 Grundlage sind reale Marktpreise.

Für welche Immobilien geeignet?

  • Eigentumswohnungen

  • Einfamilienhäuser

  • Reihenhäuser

👉 Besonders bei Eigennutzer-Immobilien.

Vorteile:

  • marktnah

  • gut erklärbar

  • für Eigentümer verständlich

Nachteile:

  • abhängig von Datenqualität

  • schwieriger bei besonderen Immobilien


4. Sachwertverfahren – wenn Vergleichswerte fehlen

Wie funktioniert es?

  • Bodenwert + Gebäudewert

  • Berücksichtigung von Baukosten

  • Alterswertminderung

Typische Einsatzbereiche:

  • Einfamilienhäuser

  • besondere Objekte

  • ländliche Regionen

  • individuelle Immobilien

Vorteil:

  • strukturiert

  • nachvollziehbar

Nachteil:

👉 Der Sachwert ist nicht automatisch der Marktwert.

Der Markt zahlt:

  • nicht für Baukosten

  • sondern für Nutzen & Nachfrage.

Bewertung einer Immobilie
Bewertung einer Immobilie

5. Ertragswertverfahren – für Kapitalanlagen

Wie funktioniert es?

  • Ermittlung der Mieteinnahmen

  • Abzug von Kosten

  • Kapitalisierung des Ertrags

Geeignet für:

  • Mehrfamilienhäuser

  • vermietete Wohnungen

  • Gewerbeimmobilien

Vorteil:

  • logisch für Investoren

  • wirtschaftlich orientiert

Nachteil:

  • stark abhängig von Annahmen

  • sensibel bei Zinsänderungen


6. Warum Online-Bewertungen nur eine Orientierung sind

Viele Eigentümer kommen mit:

  • Online-Rechnern

  • automatischen Schätzungen

  • KI-Bewertungen

Diese Tools:

  • liefern grobe Richtwerte

  • berücksichtigen oft keine Besonderheiten

  • ersetzen keine Marktkenntnis

👉 Als Makler kannst Du sie nutzen –
aber nicht unkritisch übernehmen.


7. Der größte Fehler: Wunschpreis bestätigen

Ein häufiger Fehler – vor allem aus Angst vor Ablehnung:
❌ Wunschpreise einfach übernehmen

Kurzfristig:

  • Auftrag gewonnen

Langfristig:

  • lange Vermarktungsdauer

  • Preiskorrekturen

  • Vertrauensverlust

👉 Ein falscher Startpreis schadet allen Beteiligten.


8. Der richtige Preis ist eine Strategie – keine Meinung

Ein guter Angebotspreis:

  • berücksichtigt Marktdaten

  • beachtet Nachfrage

  • passt zur Zielgruppe

  • lässt Verhandlungsspielraum

  • ist erklärbar

👉 Preisfindung ist Teil der Verkaufsstrategie.


9. Wie Du Deine Bewertung überzeugend erklärst

Eigentümer akzeptieren Preise eher, wenn Du:

  • transparent erklärst

  • mehrere Methoden einordnest

  • Vor- und Nachteile nennst

  • keine Garantie versprichst

  • Alternativen aufzeigst

👉 Erklärung schlägt Autorität.


10. Warum Erfahrung durch nichts zu ersetzen ist

Formeln helfen –
aber Erfahrung entscheidet.

Erfahrene Makler wissen:

  • wie der Markt gerade tickt

  • welche Käufer aktiv sind

  • welche Preise wirklich erzielt werden

  • wo Nachfragen entstehen

👉 Bewertung ist Zahlen + Marktgefühl.


11. Typische Fehler bei Immobilienbewertungen

❌ nur eine Methode nutzen
❌ Marktveränderungen ignorieren
❌ Angebotspreise mit Verkaufspreisen verwechseln
❌ Emotionen übernehmen
❌ keine klare Empfehlung aussprechen


12. Fazit: Die beste Bewertung ist realistisch, nicht optimistisch

Eine gute Immobilienbewertung:

  • ist nachvollziehbar

  • ist marktorientiert

  • ist ehrlich

  • ist strategisch

Als Immobilienmakler bist Du:
👉 nicht der Preisbestätiger
👉 sondern der realistische Berater

Und genau das schafft:

  • Vertrauen

  • erfolgreiche Verkäufe

  • langfristige Empfehlungen

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